• de

Tipps von Mentoren für neue Dozenten

Michael Jordan

Bei unserem Mentorenprogramm, das im Frühling dieses Jahres stattfand, haben erfahrene Dozenten jeweils einem neuen Dozenten bei der Kurserstellung geholfen. Michael Jordan und Jürgen Wulff waren zwei unserer über 20 engagierten Mentoren. Michael hat Sonja Philipp bei ihrem Kurs zum Thema “Geologie in Island” unterstützt, während Jürgen dem neuen Dozenten Mathias Mell bei der Erstellung seines Finanzplanungs-Kurses geholfen hat. Wir haben den beiden Mentoren ein paar Fragen gestellt, damit auch andere Dozenten von ihren Erfahrungen profitieren können.

 

Jürgen Wulff

 

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für neue Dozenten?

Michael: Es gibt zweierlei Herausforderungen: Auf der einen Seite die technischen Erfordernisse und auf der anderen Seite die inhaltlichen. Wie gehe ich mit der Technik um und wie kann ich meine Fachkompetenz in ein wirklich gutes Video packen? Ein Videotraining ist im Gegensatz zum Vortrag oder einem Gespräch ein sehr spezielles Format, denn für den Dozenten ist kein unmittelbares Feedback zu erkennen wie das gesagte beim Teilnehmer ankommt um gegebenenfalls mehr in die Tiefe zu gehen oder etwas schneller zu agieren. Aus diesem Grund bedarf es einer etwas genaueren Vorbereitung um das Ziel der jeweiligen Lektion immer klar im Fokus zu haben.

Einen Kurs zu erstellen ist eine ähnliche Erfahrung, wie Autofahren lernen – wenn man davon keine Ahnung hat. Es sind sehr viele unbekannte Dinge mehr oder weniger gleichzeitig zu tun. Weil dabei Erfahrungswerte in vielen Bereichen völlig fehlen, wird der Faktor Zeit unterschätzt.

Ein neuer Dozent ist fit in seinem Fachgebiet, hat nun jedoch die Aufgabe sich mit Aufnahme- und Produktionstechnik zu beschäftigen. Das Spektrum der Möglichkeiten reicht dabei von der Aufnahme mit dem Smartphone bei Tageslicht und einem an das Smartphone gesteckten Lavalier-Mikrofon bis hin zur Aufnahme mit mehreren Kameras externer Tonaufnahmetechnik und Studiobeleuchtung für die Live-Aufnahmen. Es sind zunächst also Entscheidungen für eine Aufnahmetechnik zu treffen, sich mit ihr vertraut zu machen um dann erst sich der eigentlichen Aufnahme zu widmen. Dazu kommt die Herausforderung das eigene Wissen in ein für die Zielgruppe passendes Format aufzubereiten. Also die Aufnahmen so zu planen, dass aus Fachkompetenz ein tolles Video wird.

Jürgen: Abschätzen, ob das Thema auch einen Markt hat. Was ist also die Zielsetzung: das eigene Wissen einfach einmal in Kursform aufbereiten und den Kurs als eine schöne Referenz zu haben („Ja, einen Online-Kurs habe ich auch zu dem Thema.“) oder einen Markt zu bedienen und Probleme von Menschen zu lösen.

Das Thema kursgerecht aufbereiten. Ein Kurs ist mehr als gefilmter Podcast oder die Aneinanderreihung von einzelnen nicht zusammenhängenden Informationen oder Techniken. Für einen guten Kurs braucht es klare Zielsetzungen, ansprechende Visualisierung und eine klare didaktische und abwechslungsreiche Aufbereitung der Inhalte.

Die technische Ausstattung zusammenzustellen. Welche Kamera, welches Mikro, welche Audiobearbeitungssoftware, welche Bildschnittsoftware. Arbeiten am Mac oder mit Windows am PC? Reicht ein Notebook oder muss es ein PC sein. Viele verlieren sich hier auch in einem Perfektionismus, der zwar ein Stück mehr Audio- oder Videoqualität liefert, die inhaltliche Qualität des Kurses aber nicht steigert.

Den realen Zeitbedarf für die Aufnahme und Nachbearbeitung der Kurslektionen einschätzen können. Es dauert ja bekanntlich länger als man denkt. Für viele ist es zunächst einmal ungewohnt, vor der Kamera zu sprechen, selbst für Menschen, die es gewohnt sind, vor anderen Menschen reden. Die Kamera gibt ja kein Feedback. Versprecher kommen vor, das Mikrofon war nicht an oder es war etwas Störendes im Bild, was man erst nicht gesehen hat.

Das Marketing für den Kurs zu planen und eine Gesamtstrategie einzubinden. Nichts läuft wirklich so von ganz allein.

Wie kann man mit diesen Herausforderungen deiner Meinung nach am besten umgehen?

Michael: Mit einer guten Struktur. Das mag den kreativen Kopf zunächst stören, doch hilft es, sich immer nur auf die nächste Aufgabe zu fokussieren.

Es ist zudem hilfreich, nicht den absolut perfekten Kurs anzustreben, sondern den besten Kurs zu machen, der in einem (selbst) gesteckten Zeitrahmen für den Dozenten möglich ist. Denn nur so wird der Kurs auch fertig.

Dass ein Kurs besser werden kann, mit mehr Wissen, mehr Übung mehr Ausrüstung und mehr Zeit ist sehr wahrscheinlich, doch ein erfolgreicher Kurs ist auch einer, der fertig ist. So hilft es sich über seine eigenen Ziele klar zu sein und diese dann konsequent zu verfolgen.

Jürgen: Ein wenig Marktforschung betreiben zum eigenen Thema über Udemy selbst, aber auch Amazon, Facebook, YouTube etc., um die Chancen des Kurses abzuschätzen. Welche Kurse laufen bei Udemy gut? Wie viel Kurse zu dem Thema gibt es bereits? Was ist das Besondere an meinem Kurs? Und: wenn es genügend kostenloses hochwertiges Material im Netz gibt, ist es unwahrscheinlich, dass jemand den Kurs kaufen möchte.

Klare Ziele, Unterziele und daraus abgeleitet Lektionen für den eigenen Kurs entwickeln. Überlegen, wie man sein Zielpublikum am besten anspricht und was es erwartet und dann noch ein bisschen mehr liefern.

Eine technische Ausstattung wählen, die qualitativ gute Ergebnisse liefert, aber jetzt nicht gleich mit dem Profistudio von YouTube-Stars mithalten kann. Professionell und der Zielgruppe gemäß auftreten. Dazu andere Dozenten fragen oder die Hilfestellungen von Udemy in Anspruch nehmen.

Lieber erstmal einen Kurs über 1 Stunde produzieren als gleich den 4-Stunden-Kurs. Mindestens 50% auf die kalkulierte Zeit drauf rechnen, bei technisch nicht so versierten Menschen ruhig 100%.

Die Marketing-Instrumente von Udemy konsequent nutzen, aber auch ergänzendes eigenes Marketing betreiben über die eigene E-Mail-Liste, Facebook-Anzeigen, kostenloses Webinare, YouTube-Kanal, begleitende E-Books, Landingpages etc.

Mentor Michael Jordan mit Trainee Sonja

Inwiefern kann das Mentorenprogramm dabei helfen?

Michael: Ein Mentor kann helfen, die Fragestellungen, die sich dem neuen Dozenten stellen zu strukturieren und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen um schnell zum gewünschten Ziel zu gelangen. Zudem kann ein Mentor Tipps zu allen anstehenden Fragen geben und als kritischer Gegenüber auch helfen, Inhalte deutlicher zu machen. Der vorgegebene Zeitrahmen ist eine zusätzliche Motivationshilfe, der durch den Austausch mit den anderen Teilnehmern unterstützt wird.

Jürgen: Erfahrene Dozenten haben die Prozesse und Schwierigkeiten hinter sich und eine Reihe von Erfahrungen gemacht. Mentoren können ganz konkret mit Tipps helfen, Kontakt zu anderen Experten herstellen aber auch die eigenständige Erarbeitung von Lösungen als Sparringspartner fördern.

Welche 3 Tipps hast du für neue Dozenten?

Michael:

  1. Schau dir möglichst viele verschiedene Kurse an. (Die Gratislektionen reichen da völlig aus.) Das hilft den Blick für den eigenen Kurs zu schärfen für das was gut gemacht ist und für das, was Du in Deinem Kurs besser/anders machen möchtest.
  2. Ein Video besteht aus Bild und Ton. Nutze das Bild, um dem Teilnehmer mehr als nur ein Hörbuch zu präsentieren. Viele Videos nutzen die Möglichkeit, dass Bild und Text sich ergänzen zu wenig aus. Ein Video, das lediglich den gesprochenen Text zeigt, nutzt das Potential des Mediums bei weitem nicht aus und ist für den Betrachter eher langweilig.
  3. Orientiere Dich am Nutzen für den Teilnehmer. In jeder einzelnen Lektion. Halte immer im Auge, welche drängende Frage Deines Zuschauers Du gerade beantwortest.

Jürgen:

  1. Mach es, wenn du wirklich Spaß an deinem Thema hast und Lust darauf, es anderen nahezubringen.
  2. Rechne damit, dass es echt anstrengend wird und du fluchen wirst.
  3. Mach es trotzdem, du wirst stolz auf dich sein.

Würdest du das Mentorenprogramm neuen Dozenten empfehlen? Warum?

Michael: Wer während der Produktion seines Kurses gerne ein konstruktiv-kritsches Gegenüber braucht, für den ist das Mentorenprogramm eine tolle Möglichkeit schneller und besser zum fertigen Kurs zu kommen. Zudem ist wie oben schon genannt der Austausch mit anderen Beginnern eine Bereicherung, die den “einsamen” Produktionsalltag auflockert.

Jürgen: Der Mentor ist wie eine Art Starthilfe, Backup aber auch Antreiber, der dich schneller zu Lösungen kommen lässt. Außerdem ist es mit einem Ansprechpartner nicht so „einsam“ und macht viel mehr Spaß.

Melde dich hier an, um beim nächsten Mentorenprogramm mitzumachen.

Save

Save

Save

Save

Save

Hier kannst du ein Kommentar posten:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

1 × eins =